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queer beats, die dritte

queer beats 2011Schon ein paar Wochen her, aber gerade schwitzte mich Rummelsnuff aus der neuen intro an, also doch noch. Denn der war mit der beste Act des Festivals, aber ich greife vor: Vor zwei Jahren war das Queer-Beats-Festival grandios, letztes Jahr war ich nicht da und bekam nur hinterher davon vorgeschwärmt. Dieses Jahr also hin, und: naja. Wieder beeindruckend viele Bands, aber der Funke springt bei mir den ganzen Abend lang nicht so recht über. Trotz eigentlich okayer Musik und sympathischen Bezugsgruppen.

Los geht’s recht früh mit einer Queer Pop Lecture von Sonja Eismann und Christiane Erharter, die Thomas in Krems gesehen hatte und total gut fand. Sie reden über einen Film mit feministischem Inhalt, der dem Ambiente nach aus den 70ern stammt und von dem sie aber sagen, er sei heute immer noch genauso aktuell wie damals, was ich angesichts abschreckender Ästhetik und auftauchender Sozialdemokratismen nicht ganz nachvollziehen kann. Aber dann spielen sie Bikini Kill, Le Tigre und Scream Club bzw. zeigen deren Videos und verweisen auf den grandiosen Film „Itty Bitty Titty Committee“. Yay!

Dann los mit Live-Musik. That’s what we‘re here for. Crazy Bitch in a Cave ist ein geschminktes Wesen mit XXL-Wuschelfrisur und XXL-Jeansjacke. Er/sie singt mit Kopfstimme zu Elektro-Beats aus dem Rechner, nach dem ersten Song fällt die Haarklammer, und die Haare reichen bis unter die Hüfte, wow. Eine Begleiterin von Frau Krause fragt mich, ob das ein Mann oder eine Frau sei und ist unzufrieden mit meiner „Ist das nicht egal?“-Antwort. Anyway, sehr expressiv, aber nach vier Songs reicht es irgendwie auch, in der Haupthalle spielen eh gerade Clara Luzia, etwas melancholisch mit Akustikgitarre. Ich treffe die Weibsen-Bezugsgruppe, und gemeinsam stellen wir fest, dass Kill Her First im Ampere auch schon gespielt haben. Tss, drei Bühnen ganz dicht, und man verpasst trotzdem was! Clara Luzia fesseln nicht, dafür spielen dann Uh Oh im Ampere, fetzig in weißen langen Mänteln mit Neon-Aufdrucken, zwei Schlagzeuge, was für schön vertrackte Rhythmen und einen ordentlichen Wumms sorgt – zu wuchtig for me, also verziehe ich mich wieder ins Café, wo sich Rummelsnuff auf der Bühne breit gemacht hat: ein Muskelpaket, das ich bisher nur als surreales Comic-Wesen wahrgenommen hatte. Er trägt eine Matrosenmütze mit der Aufschrift „Volksmarine“, besingt zu Elektro-Beats das Seemannsleben, die Sonne von Sansibar bis Hammerfest oder den Aufbau Berlins nach dem Krieg. Eine Mischung aus Rammstein und Helge Schneider, bemerkt Till Krause treffend.

In der großen Halle spielen mittlerweile Austra aus Toronto, die Thomas mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht hatte. Mich reissen sie aber nicht so recht mit, sie klingen wie die späten The Gathering, eine Metal-Band, die irgendwann keinen Bock mehr auf Metal hatte, dann aber nur noch schwülstiger Eso-Larifari übrig blieb. Wobei ich im Nachhinein ihren Gratis-Song runtergeladen habe, und: gefällt. Naja. Im Ampere ist Barbara Panther, von der ich aber auch nicht viel mitkriege, dann Yelle aus Paris auf der Hauptbühne: Wow. Pop vom Feinsten, etwas Show, aber vor allem die Musik ist mitreissend. Beste Musik des Abends, ich kriege nicht alles mit, weil ich mich lieber über BR Südwild unterhalte(n lasse). Den Abschluss machen Kap Bambino im Ampere, wieder satter Sound mit einem fies aussehenden Typen hinter einem Soundpult, der mindestens ebenso fiese elektronische Musik macht, und genau als ich denke, ganz gut, aber dafür braucht der doch nicht die ganze Bühne, erscheint eine verwirrt aussehende Frau, hüpft kreuz und quer über die Bühne, schreit ins Mikrophon, streicht sich ihre filzigen Haare aus der Stirn, hält inne, fixiert einen Punkt irgendwo auf halber Strecke zur Decke, explodiert dann wieder – angeblich hat sie sich später auch noch mit Bier übergossen, aber das wird mir nur erzählt, am Tag danach, als ich bei Thomas&Co in der Küche sitze, der schon zwischen Bandkutschtouren zum Flughafen das queer beats 2012 plant – Kele angefragt etc. Ich sage: Go.

squares on both sides: salt meadows

plattenlob, obwohl ich sie noch gar nicht gehört habe: ab mittwoch gibt’s ne neue platte von squares on both sides, die mal ne zeitlang meine lieblingsband waren. neben meiner wohnungstür hängt noch der regenschirm von bandleader daniel bürkner, so ein altmodisches ding, das man nicht zusammenfalten kann. er vergaß den in der u-bahn, als wir ihn vor kurzem, schluck äh, ende 2008 für undertube interviewten und er den denkwürdigen satz sagte, dass er musik nicht aus spaß macht, sondern weil sie gemacht werden muss – wow. das neue album heißt ’salt meadows‘, zurückhaltende, unprätentiöse musik, reinhören kann man bei own records. (und auch bestellen.) (macht das.) release-konzert ist in ein paar tagen in der kranhalle (münchen), und im dezember gibt’s wohl ne kleine tour.

heterosexuelle schokolade?

erstaunen und ärger: die wöchentliche zündfunk-redaktionssitzung, nächste woche planen, die beiden verantwortlichen haben kekse mit schoko-überzug besorgt, damit die ideen besser sprudeln. und dann: „reichst du mir mal bitte die kekse? oder sind die das mit der schwulen schokolade?“ – „nee, schwul sind die mit vollmilch.“ aha. ich wollte auch welche. „kann ich auch welche von den keksen mit der heterosexuellen schokolade haben? danke.“

queer beats münchen am 4.4.

am 4. april pflichttermin in münchen: das queer beats festival. jede menge acts aus aller welt, drei locations (muffathalle komplett offen), livemusik und djs satt. das wird ein fest.

queer beats

münchen-mucke für lau

hier, der blog fallen-legen stellt downloads von bands aus einer stadt zur verfügung, diesmal: münchen. schön. warum kenn ich nur eine band? tss.

münchen lieben und lassen

den zündfunk mit einem weinenden auge gen berlin verlassen, dann nach einem monat nochmal zurück, ein besuch für die 60-jahr-feier der djs. sonntag abend halb neun am hauptbahnhof: es ist leer. auf der straße kaum ein auto. als wäre krieg. oder sonntag in einem oberbayrischen dorf. oder eben in münchen. fast meditativ ist die stimmung, kinder könnten auf der straße spielen (wenn ihre eltern sie so spät (sic!) noch rauslassen würden, also tun sie es nicht), alles ist etwas unwirklich. und durchaus reizvoll. in der u-bahn sind dann doch leute, sie stauen sich wie immer an der rolltreppe, weil alle nur rechts stehen wollen, aber keiner links, so dass die rolltreppe nur zur hälfte ausgelastet ist.

am tag danach festakt mit ude, merkel und seehofer-ersatz, jazzband, filmchen und lustigen journalismus-koryphäen. der seehofer-ersatz schwadroniert von einem medienführerschein, den es neuerdings in bayern geben soll, aber keiner weiss warum und wofür und für wen. ude legt sich mächtig ins zeug und wird abgefeiert, merkel macht es ihm nach, ist trocken und witzig, ganz erstaunlich. witzig auch ein alter loriot-esquer professor, der sich seiner selbstironie wahrscheinlich gar nicht bewusst war. später fließen wein und bier in strömen, endlich sagt der djs-schulleiter auch was, alle fiebern der verlosung eines bmw entgegen, während günther jauch müde witzchen von der bühne macht. kann man in deutschland eigentlich auch witzig sein, ohne sich über frauen, alter und aussehen lustig zu machen? ich hoffe schon, jauch kann es offenbar nicht, aber vielleicht ist er einfach eine ganz andere generation.

irgendwann werden wir rausgekehrt, diskutieren eine stunde, wo wir weiterfeiern, fahren am schumanns vorbei, werfen keinen blick in die milchbar und enden in einer bar in der hans-sachs-straße. dort wird der abend nochmal durchgegangen, „frau bundeskanzler“, aha, und dann fuchtelt ein kollege ganz aufgekratzt mit den händen, betrunken, mit geschlossenen augen, ich nehme mein bier zur sicherheit weg, zitiert marx und wettert ganz zutreffend über die fehlende legitimation der ganzen baggage. warum erst jetzt, schade. aber der 70. geburtstag kommt bestimmt. ich komm dann wieder aus berlin zu besuch. oder aus new york.

mülie vier: sendling

couchsurfing hat den vorteil, gegenden kennenzulernen, durch die ich vorher bestenfalls hindurchgefahren bin. aber sendling, ort der eigentumswohnung mit parkett und harry-potter-leseecke, in der ich gerade schlafe, ist durchaus angenehm. pfeifenkraut vor dem haus, schreiende kinder im zugegrünten innenhof, isar um die ecke, schwimmbad in spuckweite. wegen schachbrettartigem straßenmuster erinnert es etwas an das skandinavische viertel im prenzlauer berg, gefühlte leichte abgeschiedenheit bei deutlich besserer café/bäcker/kiosk-infrastruktur. und der kiosk-mensch liest konkret.

münchen lieben, drei: obama und die theresienwiese

im westend widersetzt sich ein friseur dem flippigen „kopfgeldjäger“ oder „hairspree“-namensgebungszwang und nennt sich ganz schlicht: „change“. obama würde sich freuen.

eine andere freudige annahme über die theresienwiese, die mich zu noch größerer münchen-zuneigung angestachelt hätte, muss ich nach prüfung der tatsachen leider verwerfen. ich dachte gestern bei einer ortsbegehung, dass dieser ort nahezu einzigartig ist, fast mitten in der stadt (hust) öffnet sich eine weite fläche, der himmel erscheint weit, der horizont lang, die gedanken tief und so weiter, und in einem moment verzückt-vermessenen größenwahns dachte ich, für den fall, dass deutschland nochmal geteilt wird, mit bayern als zone und münchen als isolierter mehrmächte-stadt, die dann eingeschlossen wird mit einer blockade, um die wiedervereinigung zu erzwingen, dann könnten die rosinenbomber, die dann aus den museen geholt werden würden, ja auf dieser riesigen, weiten, tiefen, langen theresienwiese landen. eine noch ungeschriebene legende würde sich auftun, aus den rosinen- würden bierbomber, münchener kinder in lederhosen würden mit masskrügen in den händen versuchen, das kostbare nass aufzufangen, das aus den flugzeugbäuchen für sie abgeworfen wird, und ihre eltern stünden mit freudentränen in den augen daneben, um historische fotografieaufnahmen für die geschichtsbücher zu machen.

doch gerade nachgeprüft: nö. selbst an der längsten stelle ist die theresienwiese nur halb so lang wie die landebahn des flughafen tempelhof. keine chance für rosinenbomber. schade.

münchen lieben, zwei: [ja mei]

anderthalb tage in münchen, und schon die erste überforderung: sozialstress. tagsüber lauter nette leute, bekannte und unbekannte in luftigen höhen über münchen getroffen, abends dann das erste sozial-mammut-event anmoderiert – stammtisch im biergarten, respektive bierkeller, falls es regnet. ich will eigentlich hin, übe mich dann aber in alten berlinerismen: keine lust auf menschen im bierstadel, ausserdem müsste ich aus dem eigenen (seit anderthalb tagen wieder eigenen, hust) kiez raus und den ach-so-weiten sprung über die isar machen, dazu siehts nach regen aus. während ich noch am küchentisch sitze und hadere, klopft es an der tür, und das schicksal des abends ist durch einen mann mit taliban-bart entschieden (und seine crew natürlich). die scott matthews bleiben über nacht, auf dem weg von mailand nach sonstewo, waren einkaufen und zaubern ein abendessen mit shrimps-soße (igitt) und salat, den wir aus versehen mit dem katzenfutter-besteck aufschaufeln, der bekennend heterosexuelle und damit jedes hintergedankens unverdächtige manager übersetzt „mundart“ mit „mouth art“, es ist eine fröhliche runde. in berlin wäre man statt dessen zum essen zu dr. wong oder dem anderen neuen glutenfreien thai-itali-sushi-flammküchle-dönerladen um die ecke gegangen, einfach, weil man da ist nochmal raus unter die leute muss. münchen dagegen hat nichts ganz wichtiges, lehnt sich zurück und sagt: ja mei.

mein versuch, münchen zu lieben. folge eins.

munich  

jetzt nimmt mir christoph cadenbach mein münchen-hass-thema. aber eigentlich ist das eh nicht neu und viel zu vorhersehbar, mit anderen worten: stinklangweilig. deswegen probier ich das mal andersrum: i love münchen. als bekennender münchen-abgeneigter mensch versuche ich, diese stadt zu lieben, von anfang an, einen monat lang.

zack!

und obwohl ich noch gar nicht da bin, beginnt der münchen-mai schon heute, und zwar mit zwei erwartungen:

1. ich werde in münchen mehr kapuzenpulli tragen als zuletzt in berlin, obwohl die stadt eigentlich das gegenteil verheisst. – nachdem ich mich monatelang in feuilleton/office-drag verkleidet hatte, was sich im büro und auf terminen ok anfühlte, aber manchmal auf dem fahrrad so, als wäre ich fast wie die leute, die ich früher eher verachtet habe, und mir fragen nach erwachsenwerden einflüsterte. nun, paradoxerweise, kapuzenpullizeit in der schickimicki-metropole münchen, wo mir sogar kapuzen oft wie subversion erschienen (wo ich aber auch oft ausgelacht wurde, wenn ich das laut sagte).

2. bessermuenchen macht glaub ich das leben in münchen wirklich besser. gefällt mir gut.