Archiv der Kategorie 'banalitäten des alltags'

kompostieren

deutsche sind verschrien für ihren hang zum recycling, und das stimmt auch: immer wieder fragten mich in berlin bange besucher, welcher müll den nun in welche der vielen bunten tonnen im hof gehört. um mehr habe ich mich gefreut, dass auch die leute in new york anfangen, ihren kompost zu sammeln. wobei, zuerst habe ich mich gewundert, als mir erklärt wurde, ich müsse die bananenschale in den tiefkühlschrank tun. weil kompost so stinkt, gerade in der derzeitigen hitze, lagert er nämlich zunächst tiefgefroren. das sei auch ökologisch in ordnung, werde ich aufgeklärt: „je mehr sachen im tiefkühlschrank sind, desto weniger energie verbraucht er.“ ich bezweifle das ein bisschen, will aber nicht als mäkel-besserwessi-deutscher dastehen und bekomme sogar den ehrenvollen auftrag, am mittwoch zum union square zu gehen und die kompost-tüten dort auszuleeren. denn zuhause abgeholt wird er nicht, man muss ihn bringen, es ist alles eine private initiative. da sei eine frau am union square, die das sammle, sie sei vermutlich sogar auch deutsche. als ich ankomme, sehe ich aber nur einen öko-markt und tonnen voll (noch) tiefgefrorener kompost-abfälle. ich schütte meine dazu, schmeisse die plastiktüten in die plastiktüten-tonne daneben. that’s it. eigentlich ganz einfach.

sich kleiden

in new york kann man ja aussehen, wie man will. ich hatte philip vor der reise ein micky-maus-t-shirt geklaut, weil ich es cool fand, dann nach einem tag tragen in new york doch nicht mehr, weil alle hier statt dessen irgendwelche fancy angry-birds-shirts tragen. doch dann lief mir heute im washington square park genau das gleiche motiv über den weg, nur mit einem anderen menschen drin. und zwar einem, der der verstorbenen leslie nielsen verdammt ähnlich sieht. schluck. vielleicht gebe ich es doch wieder zurück.

nazi-google? nein, chaplin-google.

es hat seine gründe, warum charlie chaplin in deutschland eher mit spazierstock und melone gleichgesetzt wird als mit oberlippenbärtchen und frakturschrift.
nicht gut, google.

anthroposophie-spaß mit tinnitus

letztes jahr war ich wegen tinnitus bei einem anthroposophischen arzt in dahlem. eine freundin hatte ihn empfohlen, der habe einer freundin von ihr bei tinnitus sehr geholfen. ein „echter“ mediziner mit anthroposophischem einschlag, das hatte ich noch nicht probiert, ich also hin, in eine sehr bürgerliche gegend in weitestmöglichem abstand von u- oder s-bahnhöfen. der arzt ist älter, mit verständnisvollen gesichtsfalten, ergrautem haar und brille. ich erkläre, warum ich da bin, und er braucht keine fünf minuten für die diagnose: „sie sind doch sicher kreativ! was machen sie? musik? theater?“ – ich murmle bestätigend etwas von musik, performance und schreiben, und er schneidet mir das wort ab: „und deswegen haben sie den ton! weil sie ein kreativer mensch sind!“ er fängt an, ein schaubild auf papier zu kritzeln, von zuständen zwischen schlaf und wach, in denen der kreative mensch sich befindet, schreibt unleserlich daneben, was was ist, krakelt noch ein paar pfeile hinzu und muster, die die wirrungen des tages verdeutlichen, die in der nacht verarbeitet werden, und endet mit wortreich-verwirrenden erklärungen. leider gibt es nichts nachzulesen von dem, was er so ausführlich erzählt hat, denn es sei seine eigene theorie, und wenn er es aufschreiben würde, könnten es ja andere leute als ihre theorie ausgeben. aber grundsätzlich sei es die kreativität, da könne man nichts machen, oder wolle ich lieber nicht kreativ sein? nein, na da sähe ich mal. außerdem verschreibt er mir irgendwelche globulis, davon je ein halbes dutzend morgens und/oder abends unter der zunge zergehen lassen, das könnte helfen (vielleicht auch nicht).
auch das schaubild durfte ich behalten. irgendwo müsste ich es noch haben.

Gender-Klostudie Schweiz Teil 1: Hotel Alpha-Palmiers, Lausanne

Auf dem Frauenklo darf gewickelt werden. Auf dem Herrenklo auch. Allerdings jeweils bitte nur von Frauen.

lustiges beim bäcker kaufen

arbeit

so, wenig inhalt hier, das hat seinen grund: ich arbeite gerade bei freeload.de, das ist ein portal für kostenlos und legal downloadbare musik, also fast mehr computerarbeit als mir lieb ist. deswegen seltener postings. das soll sich aber ändern. einstweilen hier der verweis auf freeload:

über Banalitäten kennenlernen

weil philip etwas über die partnervermittlung parship schreiben soll, hab ich mich da auch angemeldet. da muss man lauter sachen über sich eintragen, ob man gern in urlaub fährt, was einem wichtig in einer beziehung ist, ob man sport treibt und noch einige psycho-fragen. daraus ergibt sich ein profil, und wenn das mit anderen übereinstimmt, werden sie einem als potenzielle partner vorgeschlagen. zusätzlich kann man fotos hochladen und noch dinge weitergeben wie, was den tag für einen perfekt macht, was man gar nicht mag, hobbies, haustiere, was man gerade macht. um noch weiteres interesse zu erregen. ich mach das erstmal nicht, nur das nötigste, und sofort werden mir leute vorgeschlagen mit 84, 82 oder 73 prozent übereinstimmung mit meinem profil. ein komponist. ein kaufmann. ein assistent der geschäftsführung. oder ich kriege anfragen wie diese:

GMBH36X9 schickt Ihnen eine Kontaktanfrage
66% Matching Punkte

Alter: 30
Größe: 187 cm
Beruf: Kaufmann im Groß- u. Außenhandel
Region: 27…

Selbstbeschreibung:
warmherzig, zuverlässig, optimistisch, zurückhaltend, ruhig

und weitere banalitäten, wie was einem wichtig ist in der Beziehung: „Nicht immer alles gleich auf die Goldwaage legen“, „Beim Auftreten von Schwierigkeiten miteinander sprechen“, „Vertrauen, Treue, gemeinsame Interessen“. bei einem wird mir mitgeteilt: „GM291GTZ hat Sie angelächelt und möchte Ihnen ein Kompliment machen: GM291GTZ findet Ihr Profil sympathisch, insbesondere Ihre Beschreibung unter Selbstbeschreibung.“ – unter „Selbstbeschreibung“ steht bei mir: „Figur: Normal, Selbstbeschreibung: Humorvoll, nachgiebig, zuverlässig, unabhängig, gebildet“ – und das findet jemand so interessant, dass er mit mir kontakt aufnehmen möchte? i don‘t really get it. sekundärtugenden? schön, aber das ist kein anlass, jemanden kennenlernen zu wollen. wahrscheinlich bin ich nicht desperat genug. oder einfach zu unernst? oder fantasielos? mein profil lösche ich jedenfalls bald wieder.

we are all in the gutter, but some of us are looking at the stars

„Wir liegen alle in der Gosse, aber manche von uns betrachten die Sterne.“ – Lady Windermeres Fächer, 3. Akt / Lord Darlington, Oscar Wilde – http://theculturalgutter.com/ – ich weiß nicht mehr, wo ich es las, aber irgendwo stand, dass es zwei möglichkeiten gibt, ein erfülltes, glückliches leben zu führen. entweder du bleibst in der ackerfurche. oder du betrachtest alles von oben. meinte das lord darlington?

begegnung II

vorhin verlasse ich die schule. am ausgang vom hof kommen mir zwei kosmetikschülerinnen entgegen. die eine erklärt der anderen: „juristenschule. und hinten drin ist noch ne juristenschule.“ sie setzen sich auf eine bank, ich gehe vorüber, sie schauen mir nach. als ich fast ausser hörweite bin, fragt die andere flüsternd nach: „juristen?“ ich drehe mich um und korrigiere: „journalisten.“