erinnern

eine affenhitze, weiterhin, und besserung ist nicht abzusehen. kühlung versprechen cafés, geschäfte und die u-bahn. gestern viel mit der u-bahn unterwegs, nach fast durchwachter nacht setzte der jetlag schon nachmittags ein, ich fuhr fast sinnlos zweimal über die williamsburg bridge, weil ich auf den spuren von malte vor 10 jahren wandeln wollte. es kam auch erinnerung, aber nur wenig zum 11. september, was gerade ja eigentlich meine spurensuche ist. damals war ich mit dem fahrrad unterwegs. aber es ist viel zu heiß, die williamsburg bridge zu fuß zu überqueren. schon am mittag war ich fast sinnlos am ground zero, wo gerade der „freedom tower“ gebaut wird, mit gedenkstätten an den fundamenten der zwillingstürme und einer parklandschaft, die dieses jahr am 11. september eröffnet werden sollen. da war ich vor zehn jahren auch nie.

heute kam die erinnerung, als ich mit tompkins und washington square die orte besuchte, an denen ich damals viel zeit verbrachte, meistens mit einem buch von christopher isherwood (danke, the strand). am washington square wurde damals ein washington-gedenk-triumphbogen renoviert, und an den bauzäunen drumrum befestigten die leute nach dem 11. september zettel. zunächst waren es vermisstenanzeigen – es hatte gerüchte gegeben, dass direkte zeugen der anschläge bzw. des einsturzes der türme traumatisiert und verwirrt durch manhattan wandern könnten. und viele angehörige, gerade von feuerwehrleuten, klammerten sich verzweifelt an diese hoffnung und brachten überall bilder ihrer angehörigen an. nach und nach wurde der bauzaun aber zum ort für gefühlsäußerungen von allen möglichen leuten: warnungen vor hass, aufrufe zum frieden, aber auch ausbrüche ohnmächtiger wut und rufe nach rache. abends brannten viele kerzen. und das nicht nur am washington square, sondern auch an anderen orten, union square u.a. dort redeten die leute dann auch miteinander. einzelne redner argumentierten für oder gegen krieg, trauben bildeten sich um sie, manche diskutierten, manche hörten einfach nur zu.

bemerkenswert: in new york, wo alles so groß ist, die menschen klein und unwichtig, wo man problemlos in der masse aufgehen kann, hier traten die leute unter dem eindruck der schrecklichen ereignisse in persönlichen kontakt mit anderen menschen, redeten emotional miteinander, teilten ihren schmerz und ihre furcht.