Archiv für Februar 2011

escher real life

ich vermute mal, dass da bei 0:46 eine pumpe im einsatz ist… aber super gemacht!

karen duve…

… ist gerade omnipräsent, weil sie mit jonathan safran foer herumreist und über vegetarismus/veganismus/fruitanismus (?) spricht. ich habe in meinem regal eine abenteuergeschichte von ihr von 2005 entdeckt, „die entführte prinzessin. von drachen, liebe und anderen ungeheuern“, ein lustiges buch (ja, das ist eine empfehlung) mit einem aha-erlebnis: denn schon damals thematisierte karen duve vegetarismus, zitat seite 49:

Der schwarze Prinz hasste Rosen. Er hasste auch Tulpen und Anemonen und Paeonien und Lilien. Er hasste sogar Veilchen und Rittersporn, er hasste alles, was blühte oder sich irgendwie kultivieren ließ. Der Prinz war Vegetarier, aber nicht, weil er Tiere liebte, sondern weil er so viele Pflanzen wie möglich vernichten wollte.

touché.

to die like a man

samstag in der spätvorstellung im fsk („der film läuft in ganz berlin in nur zwei kinos!“), hingelotst durch (und fast abgelenkt von) liebig-14-spontandemos, aber dann doch: „to die like a man“ („Morrer Como Um Homem“, Portugal 2009, Regie João Pedro Rodrigues). lohnte sich. protagonistin ist tonia, die ihr geld als travestiedarstellerin in einem nachtklub verdient, sich daneben um den jungen junkie rosario kümmert, dem sie abwechselnd mutter und partnerin ist, die sonst nur ihre hündin agustina liebt. es geht gleich mit ein paar kloppern los, denn tonia hat einen sohn, der bei einem militärmanöver zuerst verführt wird und dann den anderen erschießt, es folgt die origami-simulation einer plastischen geschlechts-op von männlich zu weiblich, wenig später tritt tonia im nachtklub auf und versucht vergeblich, rosario am telefon zu erreichen, um dann zuhause festzustellen, dass er mit ihren wertsachen auf und davon ist. – überall katastrophen und verzweiflung, niedertracht und verrat, furcht. als ob es noch nicht genug wäre, sucht tonia rosario, findet ihn, auf drogen, holt ihn wieder zu sich, er bedroht sie, sie bricht weinend zusammen, er geht. doch dann entspinnt sich darum doch noch eine geschichte, tonias sohn taucht auf, tonia zofft sich mit ihrer besten freundin irene um ein haarteil, rosario will seinen bruder besuchen, und obwohl weiterhin eine düstere melancholie über der gesamten handlung liegt, kommen ein paar momente des glücks, mit langen kameraeinstellungen und bildentrückungen fantastisch dargestellt. schon kurz vor dem haarteilstreit dreht sich tonia im frisierstuhl um sich selbst, die farben ändern sich ins grelle. und bei dem ausflug zu rosarios bruder gibt es lange, sinnleer erscheinende einstellungen am baggersee, tonia läuft links aus dem bild, die kamera folgt ihr, aber zu langsam, um sie nach einer halben minute landschaftsaufnahmen wieder einzufangen, ohne dass etwas passiert wäre. dann verlaufen sich rosario und tonia, geraten zu einem haus, in dem zwei weitere frauen/transvestiten leben: maria bakker mit ihrer freundin paula. hier gleitet die handlung ins skurrile, maria inszeniert ihr leben als theaterstück, zitiert deutsche lyrik (paul celan?), setzt entrückte blicke auf menschen, gegenstände oder die zimmerwand und heisst einen weiteren gast als botschafter einer fernen welt, von den männern nämlich, willkommen. ein gemeinsamer spaziergang wird zum beruhigten klimax, die menschen suchen sich einen platz in einem wald-stilleben, sitzen dort, während ein lied eingespielt wird, in kopfstimme gesungen, und sich wieder farben und lichter ändern. es sind szenen so voll kitsch und poesie, dass tonia rosario zum aufbruch drängt, es ist ihr unheimlich, sie hält es nicht mehr aus und will zurück in ihre wohnung, ihr leben, das dann doch wieder drama und schmerz bereithält, wie am anfang schon angelegt – nur dass es nun rosario ist, der sich um sie kümmert und ihr folgt, als sie geht.
„to die like a man“ ist beeindruckend, voll melancholie und poesie. kein film, den man so schnell abschütteln könnte – oder wollte.