Archiv für Januar 2011

italienisch schimpfen lernen mit silvio b.

erstaunlich, aber es geht immer noch peinlicher: der italienische ministerpräsident silvio berlusconi ruft bei einer talk-sendung an, pöbelt rum, nennt die sendung „postribolo televisivo“ („fernsehbordell“), „trasmissione disgustosa, conduzione spregevole, turpe, ripugnante“ („ekelhafte sendung, verächtliche, schändliche, widerwärtige moderation“). moderator gad lerner, der tatsächlich noch versucht, berlusconi fragen zu stellen (es geht um „rubygate“, also berlusconis kontakte zu einer minderjährigen prostituierten bzw. die rolle seiner mitarbeiterin nicole minetti, die die treffen arrangiert hat), hat dann auch die schnauze voll und revanchiert sich mit „cafone“ („prolet“).
vom show-aspekt grandios, aber eigentlich: armes italien.

queer beats, die dritte

queer beats 2011Schon ein paar Wochen her, aber gerade schwitzte mich Rummelsnuff aus der neuen intro an, also doch noch. Denn der war mit der beste Act des Festivals, aber ich greife vor: Vor zwei Jahren war das Queer-Beats-Festival grandios, letztes Jahr war ich nicht da und bekam nur hinterher davon vorgeschwärmt. Dieses Jahr also hin, und: naja. Wieder beeindruckend viele Bands, aber der Funke springt bei mir den ganzen Abend lang nicht so recht über. Trotz eigentlich okayer Musik und sympathischen Bezugsgruppen.

Los geht’s recht früh mit einer Queer Pop Lecture von Sonja Eismann und Christiane Erharter, die Thomas in Krems gesehen hatte und total gut fand. Sie reden über einen Film mit feministischem Inhalt, der dem Ambiente nach aus den 70ern stammt und von dem sie aber sagen, er sei heute immer noch genauso aktuell wie damals, was ich angesichts abschreckender Ästhetik und auftauchender Sozialdemokratismen nicht ganz nachvollziehen kann. Aber dann spielen sie Bikini Kill, Le Tigre und Scream Club bzw. zeigen deren Videos und verweisen auf den grandiosen Film „Itty Bitty Titty Committee“. Yay!

Dann los mit Live-Musik. That’s what we‘re here for. Crazy Bitch in a Cave ist ein geschminktes Wesen mit XXL-Wuschelfrisur und XXL-Jeansjacke. Er/sie singt mit Kopfstimme zu Elektro-Beats aus dem Rechner, nach dem ersten Song fällt die Haarklammer, und die Haare reichen bis unter die Hüfte, wow. Eine Begleiterin von Frau Krause fragt mich, ob das ein Mann oder eine Frau sei und ist unzufrieden mit meiner „Ist das nicht egal?“-Antwort. Anyway, sehr expressiv, aber nach vier Songs reicht es irgendwie auch, in der Haupthalle spielen eh gerade Clara Luzia, etwas melancholisch mit Akustikgitarre. Ich treffe die Weibsen-Bezugsgruppe, und gemeinsam stellen wir fest, dass Kill Her First im Ampere auch schon gespielt haben. Tss, drei Bühnen ganz dicht, und man verpasst trotzdem was! Clara Luzia fesseln nicht, dafür spielen dann Uh Oh im Ampere, fetzig in weißen langen Mänteln mit Neon-Aufdrucken, zwei Schlagzeuge, was für schön vertrackte Rhythmen und einen ordentlichen Wumms sorgt – zu wuchtig for me, also verziehe ich mich wieder ins Café, wo sich Rummelsnuff auf der Bühne breit gemacht hat: ein Muskelpaket, das ich bisher nur als surreales Comic-Wesen wahrgenommen hatte. Er trägt eine Matrosenmütze mit der Aufschrift „Volksmarine“, besingt zu Elektro-Beats das Seemannsleben, die Sonne von Sansibar bis Hammerfest oder den Aufbau Berlins nach dem Krieg. Eine Mischung aus Rammstein und Helge Schneider, bemerkt Till Krause treffend.

In der großen Halle spielen mittlerweile Austra aus Toronto, die Thomas mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht hatte. Mich reissen sie aber nicht so recht mit, sie klingen wie die späten The Gathering, eine Metal-Band, die irgendwann keinen Bock mehr auf Metal hatte, dann aber nur noch schwülstiger Eso-Larifari übrig blieb. Wobei ich im Nachhinein ihren Gratis-Song runtergeladen habe, und: gefällt. Naja. Im Ampere ist Barbara Panther, von der ich aber auch nicht viel mitkriege, dann Yelle aus Paris auf der Hauptbühne: Wow. Pop vom Feinsten, etwas Show, aber vor allem die Musik ist mitreissend. Beste Musik des Abends, ich kriege nicht alles mit, weil ich mich lieber über BR Südwild unterhalte(n lasse). Den Abschluss machen Kap Bambino im Ampere, wieder satter Sound mit einem fies aussehenden Typen hinter einem Soundpult, der mindestens ebenso fiese elektronische Musik macht, und genau als ich denke, ganz gut, aber dafür braucht der doch nicht die ganze Bühne, erscheint eine verwirrt aussehende Frau, hüpft kreuz und quer über die Bühne, schreit ins Mikrophon, streicht sich ihre filzigen Haare aus der Stirn, hält inne, fixiert einen Punkt irgendwo auf halber Strecke zur Decke, explodiert dann wieder – angeblich hat sie sich später auch noch mit Bier übergossen, aber das wird mir nur erzählt, am Tag danach, als ich bei Thomas&Co in der Küche sitze, der schon zwischen Bandkutschtouren zum Flughafen das queer beats 2012 plant – Kele angefragt etc. Ich sage: Go.