Archiv für Oktober 2010

Beckstein, Tinnitus, Cochlea-Implantat

Gerade in der Tagesschau: Beckstein im Untersuchungsausschuss bzw. dann im Interview, deutlich zu sehen ist sein Hörgerät, nein, sein Implantat. Beckstein hatte Hörstürze, leidet unter Tinnitus und trägt seit Anfang Oktober ein Cochlea-Implantat.
http://www.merkur-online.de/nachrichten/politik/prothese-laesst-beckstein-wieder-hoeren-943597.html

Helden von früher: Sleater Kinney

Sleater Kinney liebte ich mal. Das war so 1997/98, Nancy kam an mit dem Film „All Over Me“ und dessen grandiosem Soundtrack, der dann den persönlichen Soundtrack zu ca. einem Jahr lieferte – da drauf dann eben Sleater Kinney mit dem kongenialen „I wanna be your Joey Ramone“, dem Text „it’s what i thought / it’s rock‘n'roll“ (ach!) und ihrem Sound aus gegenläufigen Melodielinien der beiden Gitarren, die den Gitarrensound der New-York-Gitarrenbands der 2000er vorwegnahmen.

In schneller Abfolge hauten die Mädels ihre Alben „Sleater Kinney“, „Call the Doctor“ und „Dig Me Out“ raus, wurden überall belobigt, feministische Texte, schnelle Punksongs, irgendwie erfrischend, sie wurden bald zu einer der bekanntesten Band der Riot-Grrl-Bewegung aus Olympia (Washington), neben Team Dresch und Bikini Kill. Am grandiosesten war tatsächlich das erste Album: „Sleater Kinney“, mit 10 Songs, alles Hits. Naja, fast. Aber mindestens die Hälfte der Songs, das zurückhaltende „The Day I Went Away“ mit dem bestimmenden „so far / so good“, nachdenkliche Gitarren bei „Her Again“, extrem schmissig „Be Yr Mama“, „Lora’s Song“ mit schön asynchronem Gesang, „The Last Song“, der versönlich beginnt, aber dann mit einem dicken Mittelfinger die Platte beendet: „I don‘t owe you anything!“ Yess, zack!

Dann war ich in Toronto, und die Band kam mit ihrer neuen Platte „The Hot Rock“ auch auf Tour. Die war schon nervig, irgendwer hatte die Verzerrer vergessen anzuschalten, statt dessen tändelten die Gitarren nur noch durch die Gegend – es klang nicht mehr aggressiv, sondern eingerichtet und gesettlet, und im fehlenden Lärmbett fielen auch die stimmlichen Defizite viel besser auf. Live noch mehr, gequält wartete ich im Opera House auf das Ende des Konzertes. Und richtig unten durch war die Band für mich, als ich von Freunden hörte, dass der lokale Punk-Infoladen „Who’s Emma“ seinen Infotisch abbauen musste, weil die Veranstalter keinen Bock auf sie hatten. Und Sleater Kinney sahen das und rührten keinen Finger! Naja. Kill your Idols.

Später kamen noch ein paar Alben raus, 2006 lösten sich Sleater Kinney auf.

dancing auschwitz

ok, das war vor zwei monaten der große hype. ich hab es damals irgendwie ignoriert, jetzt finde ich es großartig. insofern hier nochmal kurz festgehalten:

Benoit Mandelbrot gedenken.

Benoît B. Mandelbrot (* 20. November 1924 in Warschau; † 14. Oktober 2010 in Cambridge, Massachusetts) war ein französisch-US-amerikanischer Mathematiker. Mandelbrot leistete wegweisende Arbeiten zur fraktalen Geometrie und Chaosforschung. Seine populärste Entdeckung ist die fraktale Mandelbrot-Menge.

sitzkonzerte: früchte des zorns, locas in love

es ist wahrscheinlich zufall, dass die beiden konzerte, bei denen ich in den letzten tagen war, bestuhlt waren. oder lag es an mir? könnte gut sein, immerhin waren es die ersten konzertbesuche nach einiger zeit abstinenz (und klar, dass ich gerade nicht in die metal-schuppen renne). früchte des zorns in der weißen rose, d.h. im vorraum vom theater strahl, zunächst etwas unwirtlich scheinend, dann aber sehr schön. ich wollte erst gar nicht hin, zu viel zu tun, und eh schon oft genug gesehen, aber ach was, also hin. der raum ist schon ziemlich voll, mit etwas glück finden wir am rand plätze auf dem tresen der garderobe. anke kommt auf die bühne, kündigt locker das stimmen der instrumente an, später kommen mogli und hanna, und dann geht es los. die früchte des zorns wie immer sehr nah am publikum, an dessen wünschen und träumen, trotzdem sind an dem abend die besten momente, wenn die bühnenchoreographie aus ansagen und songs durchbrochen wird, also wenn mogli sich in seiner moderation verrennt, oder wenn er sich drei mal hintereinander verspielt und augenzwinkernd erklärt, das sei ein neuer song, erst gestern fertig geworden (dabei war der auf der ersten platte). jedes mal wieder schön, mit familiengefühl.

fast das gleiche kann man für die locas in love sagen, diese verliebten verrückten, die im roten salon auftreten. ihr vorhaben: vor dem erscheinen des dritten albums anfang kommenden jahres nochmal die ersten beiden komplett durchspielen, weil sonst immer fans kommen und fragen: „warum spielt ihr denn song xx nicht mehr?“ – so sollen alle zufrieden gestellt werden, auch wenn am ende tatsächlich jemand vergeblich den hit „die apokalypse erreicht mühlacker“ fordert und ich ebenso vergeblich gehofft hatte, dass als zugabe einfach die winter-ep zum besten gegeben wird (schönes konzert vor zwei jahren war das). anyway, schön auch, man fläzt auf den roten sesseln des roten salons, björn moderiert ebenso gut wie gerne (wie zu wenig) und schaut immer wieder auf die uhr: zwei alben hintereinander, das ist doch recht lang. auch hier familien- oder wohnzimmerfeeling, als hätten die locas sich einfach ein paar gute freunde eingeladen, oder ein paar freunde die locas. das findet auch björn und verteilt publikumlob: „wenn euch eure eltern fragen, wie ihr auf dem konzert so wart, könnt ihr denen sagen: die band fand, dass ihr euch gut benommen habt.“ ganz artig das, aber auch ganz ehrlich. und lustig, dass am ende wirklich leute gehen müssen, um die letzte u-bahn zu kriegen (ein immer wieder auftauchender topos in der fürsorglichen moderation). gut also, dass sich die locas beeilt haben, und schade, dass sie direkt nach dem konzert wieder nach köln mussten, weil ich sie am liebsten alle eingepackt und mit nach hause genommen hätte. naja, vielleicht beim nächsten mal.

früchte des zorns. locas in love.

Antifeminismus? wtf!

Gerade bei Facebook drüber gestolpert: Am 30. Oktober findet in Zürich tatsächlich das 1. Internationale Antifeminismus-Treffen statt. Zitat: „Wer für freiheitliche Grundrechte, Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsteht, kann mit der Unterstützung unseres Treffens einen Beitrag dazu leisten, dass menschenverachtende Ideologien wie die feministische in der Schweiz und in Europa hoffentlich bald keinen Platz mehr finden.“
Ist wohl keine Satire…

Lustigerweise war ich gerade vor ein paar Wochen im Zürcher Zoo (was ich dort machte, kommt in einem anderen Posting) und fand dort im Gewächshaus einen Flyer für die „Männerpartei“ (www.maennerpartei.ch), die mit dem Motto „Schluss mit der Männerdiskriminierung“ auf sich aufmerksam machte – auch dies keine Satire.
Ein seltsamer Link: Das „Antifeminismus-Treffen“ findet ebenfalls in einem Gewächshaus statt.