Archiv für September 2010

Gender-Klostudie Schweiz Teil 1: Hotel Alpha-Palmiers, Lausanne

Auf dem Frauenklo darf gewickelt werden. Auf dem Herrenklo auch. Allerdings jeweils bitte nur von Frauen.

lustiges beim bäcker kaufen

squares on both sides: salt meadows

plattenlob, obwohl ich sie noch gar nicht gehört habe: ab mittwoch gibt’s ne neue platte von squares on both sides, die mal ne zeitlang meine lieblingsband waren. neben meiner wohnungstür hängt noch der regenschirm von bandleader daniel bürkner, so ein altmodisches ding, das man nicht zusammenfalten kann. er vergaß den in der u-bahn, als wir ihn vor kurzem, schluck äh, ende 2008 für undertube interviewten und er den denkwürdigen satz sagte, dass er musik nicht aus spaß macht, sondern weil sie gemacht werden muss – wow. das neue album heißt ’salt meadows‘, zurückhaltende, unprätentiöse musik, reinhören kann man bei own records. (und auch bestellen.) (macht das.) release-konzert ist in ein paar tagen in der kranhalle (münchen), und im dezember gibt’s wohl ne kleine tour.

Interpol: Barricade

Manchmal will man seine Helden gar nicht näher ansehen.
Interpol lieferten 2005 den Soundtrack zur Zeit. Sänger Paul Banks deklamierte: „Can’t you see what you’ve done to my heart and my soul. I’m a wasteland now.“ – etwas leidend, aber nicht larmoyant, eher fast aus einer Position der Stärke heraus: Er konstatierte mehr als dass er beklagte, zwar heartbroken, aber mit eindringlich-klarer Stimme selbstbewusst Respekt einfordernd. Als wüsste er genau, wovon er da singt/spricht.
Und jetzt? Interpol haben eine neue Platte, die Single „Barricade“ gibt’s auch als Video. Dort stehen Interpol mit ihren Instrumenten in einer Feld-und-Wiesen-Landschaft herum, hippe Indie-Bubis, sie stapfen beim Spielen prätentiös mit dem Fuß den Takt in den Boden. Diese Boys wollen mir weismachen, dass sie etwas vom Leben verstanden haben? No way.

ich bin ganz sicher schon mal hier gewesen

… ich weiß auch noch wann: vor fünf Jahren, in ähnlicher Konstellation (queere Pressereise). Hinterher schrieb ich tatsächlich auch, aber es war nicht von Dauer, weil sich genau über dem fertigen Artikel (und der halbfertigen Magisterarbeit) die Festplatte verabschiedete. Ohne Sicherheitskopie, daher muss die Erinnerung herhalten, und sie erinnert sich: an eine überforderte Fremdenführerin in Liechtenstein, die vor der Frage nach Schwulen und Lesben kapitulierte und lieber schnell wieder zum Fürsten überleitete, dass dieser am liebsten barfuß in den Wäldern jogge und man sich ganz normal mit ihm unterhalten könne; an eine Mitfahrerin von den Färöer-Inseln, die dort die Gesellschaft umkrempeln wollte nach dem Vorbild Islands: Ein Appell an all die jungen Schwulen und Lesben, die das Land verlassen, weil es ihnen zu konservativ ist, dazubleiben und ihren Platz in der Gesellschaft bzw. in den Familien einzufordern. Heute ist sie Yoga-Lehrerin in Schweden. An die Weinproben, auf die wir geschleppt wurden, wie wir danach betrunken in einem Restaurant Spaß hatten (weil es immer so besonders schien, dass zwei von uns vegetarisch essen wollten) und die Reiseleiterin sich für uns schämte. An einen Mitreisenden, den einzigen Pop-Literaten der Slowakei, einen anderen, einen deutschland-liebenden Rumänen, der aber irgendwann davon anfing, dass die Juden ja die Industrie kontrollieren. Und im gleichen Zug eine Reiseführerin, die in Davos einen Witz über große Nasen riss (im Zusammenhang damit, dass so viele Juden da Urlaub machen). Wie begeistert der Chef einer Homo-Initiative in Genf (?) davon schwärmte, wie in der Schweiz die Homo-Ehe eingeführt wurde.. und wie mäßig begeistert er über Zusammenarbeit mit Lesben und der Queer-Bewegung sprach.
Nun also wieder: Schweiz, mit Stopps in Zürich, Lausanne, Luzern und Zermatt, es geht zu den touristischen Höhepunkten, weniger vielleicht in queerem Zusammenhang – bis auf einen Besuch im Zürcher Zoo (Thema: Homosexualität bei Tieren) und den Treff mit einer Homo-Initiative in Luzern. Aber man wird sehen.

Anmerkung zu Sarrazin: Volkshygiene

was ich an sarrazins tiraden besonders widerlich finde (und was nirgendwo sonst auftaucht, bitte korrigiert mich): der volksgemeinschaft-charakter seiner thesen. auf der einen seite „die deutschen“ als vermeintlich klar definierte gruppe (womöglich auch per gen identifizierbar, wie offenbar auch „die juden“), auf der anderen seite dann „die muslime“ bzw. „die türken“ (und auch noch „die juden“, da ja dank gen identifizierbar). und nun muss nach sarrazin die deutsche volksgemeinschaft (intelligent) sauber gehalten werden von den muslimischen einflüssen (nicht intelligent). volkshygiene nennt man das wohl und steckt so mitten drin in der völkischen bewegung. fuck off.