Klasse statt „Rasse“

der kicker titelt „Rheinderby mit später Rasse“ und berichtet über die bundesliga-partie zwischen den alten rivalen mönchengladbach und köln, die in der ersten halbzeit wohl ziemlich lahm und langweilig, in der zweiten dann flott und spannend war. oder, wie der unbekannte kicker-autor schreibt: „In der rassigen Schlussphase ging’s rauf und runter.“ – unklar ist nur, was das „rassig“ bedeuten soll. haben die spieler ihre „rasse“ gewechselt, sind jetzt nicht mehr zurückhaltende weiße kaukasier, sondern negride buschmänner, die von ihrer natur ja viel lebhafter und chaotischer sind?

dank google finden wir heraus, „rassig“ bedeutet auch: feurig, glutvoll, heiß, heißblütig, impulsiv, lebhaft, leidenschaftlich, stürmisch, temperamentvoll, ungezügelt, wild; (geh.): ungestüm. außerdem suchen „rassige rumäninnen“ online deutsche männer (zusätzlich im dreiklang beschrieben als „rassig, wild und selbstbewusst“) und bringen damit die zweite unselige konnotation ins spiel. anyway, zu „rassig“ gibt es genug alternativen.

bei der überschrift wird es schwieriger, weil die sehr kurz sein muss. viel länger als „Rheinderby mit später Rasse“ ist da nicht drin. „Rheinderby mit später Klasse“ wäre eine alternative, wobei das ja eher beschreiben würde, dass sie gut gespielt hätten, zauberfußball mit schicken kombinationen, obwohl sie ja offensichtlich vor allem kämpften und ackerten. sonst möglich: „Derby spät kämpferisch“, „Rheinderby spät leidenschaftlich“, „Späte Leidenschaft beim Derby“, „Späte Leidenschaft in Köln“ (denn Kölns Ausgleichtreffer kam erst in der 79. Minute) oder ganz einfach, um dem unbekannten Autor ein Wort aus dem Text zu entführen: „Rheinderby mit spätem Feuer“.

Genug Möglichkeiten, die vermeintliche Kategorie „Rasse“ wegen Nazi-Biologismen und tumbem Sexismus einfach wegzulassen. Das macht übrigens auch der (ebenfalls unbekannt bleibende) Autor beim ausführlicheren Bericht. Er titelt reisserisch, aber effektiv: „Maniches Hammer verhindert Kölner Derby-Schmach.“