Archiv für Juli 2009

blöd, blöder, alb

gestern wurde ich von freundinnen auf eine diskussionsveranstaltung der alb (antifaschistische linke berlin) zum thema iran geschleift. zwei exil-iraner_innen sprachen, dazu rüdiger göbel, stellvertretender chefredakteur der jungen welt. es war interessant, auch wenn nicht viel neues dabei herumkam: die interessanteste frage, ob die proteste im iran wirklich islamistisch fundiert sind oder nur die symbole benutzt, um der drohenden verfolgung zu entgehen, konnte nur andiskutiert werden, vor allem auch weil bei den publikumsfragerunden alle auf rüdiger göbel einprügelten. der hatte in seinem beitrag einiges zur medienrezeption der iran-proteste zu bedenken gegeben, hauptsächlich kritik an der westlichen presse analog zum reichlich bescheuerten
aufruf der alb
: „Was woanders als „extremistische Ausschreitungen“ und „sinnlose Gewalt“ abgewatscht worden wäre, gilt im Fall des Irans als „Freiheitskampf“ und „gelebte Demokratie“.“ – also kein unterschied zwischen werkzeug und intention? schön blöd. noch blöder, wenn die empörung darüber alles andere übertönt, die leute schreien sich gegenseitig an, fordern die arbeiter- und bauernherrschaft, fragen, wo die linksextremen von berlin denn vor 20 jahren waren, gratulieren zur besten linken der welt – kurz, ein höchst amüsantes aufeinandertreffen von streitbaren verstrahlten linken. schade, da war inhaltlich trotzdem mehr drin.

über den antifa.de-link kommt man auch zu einem interview mit pedram shayar in der jungen welt, der gute sachen sagt (auf die voreingenommenen fragen von eben jenem rüdiger göbel).

hinweis: gender happening

hier spring ich auch irgendwie rum:

„Love Me Gender – Gender is Happening“

Veranstaltungswoche des Gunda-Werner-Instituts
vom 6. – 11. Juli 2009

münchen lieben und lassen

den zündfunk mit einem weinenden auge gen berlin verlassen, dann nach einem monat nochmal zurück, ein besuch für die 60-jahr-feier der djs. sonntag abend halb neun am hauptbahnhof: es ist leer. auf der straße kaum ein auto. als wäre krieg. oder sonntag in einem oberbayrischen dorf. oder eben in münchen. fast meditativ ist die stimmung, kinder könnten auf der straße spielen (wenn ihre eltern sie so spät (sic!) noch rauslassen würden, also tun sie es nicht), alles ist etwas unwirklich. und durchaus reizvoll. in der u-bahn sind dann doch leute, sie stauen sich wie immer an der rolltreppe, weil alle nur rechts stehen wollen, aber keiner links, so dass die rolltreppe nur zur hälfte ausgelastet ist.

am tag danach festakt mit ude, merkel und seehofer-ersatz, jazzband, filmchen und lustigen journalismus-koryphäen. der seehofer-ersatz schwadroniert von einem medienführerschein, den es neuerdings in bayern geben soll, aber keiner weiss warum und wofür und für wen. ude legt sich mächtig ins zeug und wird abgefeiert, merkel macht es ihm nach, ist trocken und witzig, ganz erstaunlich. witzig auch ein alter loriot-esquer professor, der sich seiner selbstironie wahrscheinlich gar nicht bewusst war. später fließen wein und bier in strömen, endlich sagt der djs-schulleiter auch was, alle fiebern der verlosung eines bmw entgegen, während günther jauch müde witzchen von der bühne macht. kann man in deutschland eigentlich auch witzig sein, ohne sich über frauen, alter und aussehen lustig zu machen? ich hoffe schon, jauch kann es offenbar nicht, aber vielleicht ist er einfach eine ganz andere generation.

irgendwann werden wir rausgekehrt, diskutieren eine stunde, wo wir weiterfeiern, fahren am schumanns vorbei, werfen keinen blick in die milchbar und enden in einer bar in der hans-sachs-straße. dort wird der abend nochmal durchgegangen, „frau bundeskanzler“, aha, und dann fuchtelt ein kollege ganz aufgekratzt mit den händen, betrunken, mit geschlossenen augen, ich nehme mein bier zur sicherheit weg, zitiert marx und wettert ganz zutreffend über die fehlende legitimation der ganzen baggage. warum erst jetzt, schade. aber der 70. geburtstag kommt bestimmt. ich komm dann wieder aus berlin zu besuch. oder aus new york.

wahlfahrt 2009


sechs wochen vor der bundestagswahl machen sich eine handvoll journalist_innen auf, fahren durch die gegend und schreiben über den zustand des landes. ich bin dabei, yeah. hier infos:

Was ist die Wahlfahrt09?

Hinter Wahlfahrt09 verbirgt sich ein mobiles Journalistenbüro. In der heißen Bundestags-Wahlkampfphase von Mitte August bis 27. September wollen wir mit dem Wohnwagen durch Deutschland fahren und quer zur üblichen Berichterstattung den deutschen Puls messen. Wir recherchieren experimentell, indem wir an zentralen Plätzen von Kommunen und Städten parken und buchstäblich auf der Straße recherchieren. Auf unserer Webseite www.wahlfahrt09.de berichten wir ab Mitte August multimedial über die Geschichten, die den Menschen wichtig sind. Die dpa-Infocom und wahrscheinlich Spiegel Online werden regelmäßig Beiträge von uns veröffentlichen.

Einen ersten Eindruck vom Projekt bekommen Sie/Ihr auf unserer vorläufige Webseite. Hier könnt Ihr uns gerne Vorschläge für Orte machen, uns Geschichten erzählen, die es sonst nicht in die Medien schaffen, von Menschen berichten, die Ihr interessant findet und die man einmal besuchen sollte.

www.wahlfahrt09.de

Momentan haben wir uns BMW, Telekom und der Dachverband der deutschen Campingwirtschaftzwar Sachsponsorings zugesagt, aber: Uns fehlt noch Geld. Wenn Ihr/Sie unsere Idee überzeugend findet, dann unterstützt uns auf Betterplace. Betterplace ist ein Spendenportal, auf dem wir nach Unterstützern, Befürwortern und Spenden suchen. Anmeldung bei Betterplace.org genügt, gespendet werden kann über Paypal.

http://de.betterplace.org/projects/1393

Folgt uns auch auf Twitter unter: www.twitter.com/wahlfahrt09

Wir haben auch eine Gruppe bei Facebook. Wenn unsere Idee Euch gefällt, verbreitet uns bitte weiter:
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