Archiv für Mai 2009

mülie vier: sendling

couchsurfing hat den vorteil, gegenden kennenzulernen, durch die ich vorher bestenfalls hindurchgefahren bin. aber sendling, ort der eigentumswohnung mit parkett und harry-potter-leseecke, in der ich gerade schlafe, ist durchaus angenehm. pfeifenkraut vor dem haus, schreiende kinder im zugegrünten innenhof, isar um die ecke, schwimmbad in spuckweite. wegen schachbrettartigem straßenmuster erinnert es etwas an das skandinavische viertel im prenzlauer berg, gefühlte leichte abgeschiedenheit bei deutlich besserer café/bäcker/kiosk-infrastruktur. und der kiosk-mensch liest konkret.

münchen lieben, drei: obama und die theresienwiese

im westend widersetzt sich ein friseur dem flippigen „kopfgeldjäger“ oder „hairspree“-namensgebungszwang und nennt sich ganz schlicht: „change“. obama würde sich freuen.

eine andere freudige annahme über die theresienwiese, die mich zu noch größerer münchen-zuneigung angestachelt hätte, muss ich nach prüfung der tatsachen leider verwerfen. ich dachte gestern bei einer ortsbegehung, dass dieser ort nahezu einzigartig ist, fast mitten in der stadt (hust) öffnet sich eine weite fläche, der himmel erscheint weit, der horizont lang, die gedanken tief und so weiter, und in einem moment verzückt-vermessenen größenwahns dachte ich, für den fall, dass deutschland nochmal geteilt wird, mit bayern als zone und münchen als isolierter mehrmächte-stadt, die dann eingeschlossen wird mit einer blockade, um die wiedervereinigung zu erzwingen, dann könnten die rosinenbomber, die dann aus den museen geholt werden würden, ja auf dieser riesigen, weiten, tiefen, langen theresienwiese landen. eine noch ungeschriebene legende würde sich auftun, aus den rosinen- würden bierbomber, münchener kinder in lederhosen würden mit masskrügen in den händen versuchen, das kostbare nass aufzufangen, das aus den flugzeugbäuchen für sie abgeworfen wird, und ihre eltern stünden mit freudentränen in den augen daneben, um historische fotografieaufnahmen für die geschichtsbücher zu machen.

doch gerade nachgeprüft: nö. selbst an der längsten stelle ist die theresienwiese nur halb so lang wie die landebahn des flughafen tempelhof. keine chance für rosinenbomber. schade.

Onlinepetition gegen Internetzensur

die online-petition der berlinerin franziska heine ist längst erfolgreich, sogar die erfolgreichste e-petition, die es je gab. hintergrund hier (hüstel) bei einem Zündfunk-Artikel: Wir sind das Volk – Online-Petition gegen Internetzensur

germanistik-koryphäe, antisemitische

erstaunlich, wie schnell verlage reagieren: zwei tage, nachdem am sonntag volker weidermann in der fas den nazi-hintergrund der autorin elisabeth frenzel thematisiert hat, nimmt der deutsche taschenbuchverlag ihr umstrittenes buch „daten deutscher dichtung“ aus seinem programm.
die autorin hatte 1940 in berlin zum thema „Die Gestalt des Juden auf der neueren deutschen Bühne“ promoviert – eine unsägliche dissertation, die ich ohne probleme in der bibliothek der humboldt-universität besorgen konnte. ihr zweibändiges werk „daten deutscher dichtung“ von 1953 avancierte zu einem standardwerk der germanistik und wurde immer wieder neu aufgelegt. dort sind die vorgeblich wichtigsten deutschen schriftsteller_innen verzeichnet, allerdings mit lücken: zur nazizeit fehlen auffällig viele exilliteraten – darunter kurt tucholsky, klaus mann und egon erwin kisch.

münchen lieben, zwei: [ja mei]

anderthalb tage in münchen, und schon die erste überforderung: sozialstress. tagsüber lauter nette leute, bekannte und unbekannte in luftigen höhen über münchen getroffen, abends dann das erste sozial-mammut-event anmoderiert – stammtisch im biergarten, respektive bierkeller, falls es regnet. ich will eigentlich hin, übe mich dann aber in alten berlinerismen: keine lust auf menschen im bierstadel, ausserdem müsste ich aus dem eigenen (seit anderthalb tagen wieder eigenen, hust) kiez raus und den ach-so-weiten sprung über die isar machen, dazu siehts nach regen aus. während ich noch am küchentisch sitze und hadere, klopft es an der tür, und das schicksal des abends ist durch einen mann mit taliban-bart entschieden (und seine crew natürlich). die scott matthews bleiben über nacht, auf dem weg von mailand nach sonstewo, waren einkaufen und zaubern ein abendessen mit shrimps-soße (igitt) und salat, den wir aus versehen mit dem katzenfutter-besteck aufschaufeln, der bekennend heterosexuelle und damit jedes hintergedankens unverdächtige manager übersetzt „mundart“ mit „mouth art“, es ist eine fröhliche runde. in berlin wäre man statt dessen zum essen zu dr. wong oder dem anderen neuen glutenfreien thai-itali-sushi-flammküchle-dönerladen um die ecke gegangen, einfach, weil man da ist nochmal raus unter die leute muss. münchen dagegen hat nichts ganz wichtiges, lehnt sich zurück und sagt: ja mei.

mein versuch, münchen zu lieben. folge eins.

munich  

jetzt nimmt mir christoph cadenbach mein münchen-hass-thema. aber eigentlich ist das eh nicht neu und viel zu vorhersehbar, mit anderen worten: stinklangweilig. deswegen probier ich das mal andersrum: i love münchen. als bekennender münchen-abgeneigter mensch versuche ich, diese stadt zu lieben, von anfang an, einen monat lang.

zack!

und obwohl ich noch gar nicht da bin, beginnt der münchen-mai schon heute, und zwar mit zwei erwartungen:

1. ich werde in münchen mehr kapuzenpulli tragen als zuletzt in berlin, obwohl die stadt eigentlich das gegenteil verheisst. – nachdem ich mich monatelang in feuilleton/office-drag verkleidet hatte, was sich im büro und auf terminen ok anfühlte, aber manchmal auf dem fahrrad so, als wäre ich fast wie die leute, die ich früher eher verachtet habe, und mir fragen nach erwachsenwerden einflüsterte. nun, paradoxerweise, kapuzenpullizeit in der schickimicki-metropole münchen, wo mir sogar kapuzen oft wie subversion erschienen (wo ich aber auch oft ausgelacht wurde, wenn ich das laut sagte).

2. bessermuenchen macht glaub ich das leben in münchen wirklich besser. gefällt mir gut.

comic

„Ich ritt mit F.T.M. Crosser die Geschlechtergrenzen ab, als mein Pferd Praxen machte…“ --> http://www.krmkrm.com/queerundwir05.gif