Archiv für April 2009

2 links: street art, evangelikale

zwei links:

sänkjuforr…

ok, bahn-englisch-bashing hat *so* einen bart, aber ich hab neues gehört letztes wochenende.

zunächst:
„in five minutes we will arrive kassel-wilhelmshöhe…“ – hä? arrive wie?

dann beim nächsten halt die auflösung:
„in five minutes we will erreich göttingen…“ — aaah!

anmerkungen zum nato-gipfel

ich hab anderswo mehr geschrieben über den nato-gipfel bzw. was ich davon sah, also hier nur ein paar anmerkungen. die nato-gegner_innen sangen nicht „happy birthday“ sondern „happy birthdeath“. krass zu sehen, wie mies die polizei teilweise organisiert war, wie viel angst die hatten, wie durch schlechte kommunikation auf protestseite oder zwischen polizei und demo-leitung ausschreitungen entstehen.


bild vom freitag, tränengaswolken kurz vor dem protestcamp im straßburg-vorort la ganzau.

samstag früh
mies organisiert am samstag morgen, als ein blockadeversuch in der innenstadt gestartet wird, treffen vor der uni um 6 uhr morgens, offiziell angekündigt, sogar auf spiegel.de vermerkt. das war fast gespenstisch, noch nacht, erste dämmerung, singende vögel – und von allen seiten kommen protestler_innen an, teilweise vermummt, eine gruppe von 30 clowns mit trommeln. dann losmarsch, am himmel auf einmal feuerwerkskörper, denke ich, aha, vielleicht leuchtmaßnahmen der polizei, damit sie uns sehen, damit andere wissen, dass es jetzt losgeht (als gäbe es keinen mobilfunk), doch es ist tränengas en masse, mehr und mehr, bis der ganze platz eingedeckt ist von wolken, die leute rennen, sammeln sich etwas weiter südlich, und gehen dann nahezu unbehelligt in die stadt (avenue de la marseillaise passenderweise) und vor die synagoge fast nah an die sicherheitszone ran. kurzer umweg in den park, zurück auf die straße, und dann stehen da zwanzig polizisten. zwanzig gegenüber von knapp vierhundert demonstranten. die gendarmen zittern vor angst, zucken zusammen, als die samba-band einen neuen rhythmus vorgibt. dann rücken acht vor, um die 30köpfige band von der straße zu schieben. ein bild des jammers, irgendwie, es wirkt fast komisch, aber ist so verflucht ernst, wie acht polizisten in kampfanzügen sich aneinander festklammern, die ersten beiden versuchen, trommelnde clowns von der straße zu schieben. sie haben angst. ein sprecher der dfg/vk sagt mir später, er habe die erfahrung gemacht, dass samba-gruppen immer als besonderes gefahrenpotenzial ausgemacht werden, obwohl sie eigentlihc das gegenteil bewirken sollten. ähnlich wie clowns. später auch singen die demonstrant_innen, ich dachte, es wäre das normale „happy birthday“ für die nato (die 60 wurde), am nachmittag lese ich auf t-shirts „happy birthdeath“ und denke, der text war eher das.

nachmittags ausschreitungen
ich hab den anfang nicht mitbekommen, weil ich nicht bei der demo war, aber bis nach straßburg sieht man nachmittags den rauch aufsteigen von hotel und zwei grenzabfertigungshäuschen (ehemaligen) am rhein, wo die große demo sich sammelte. ich hin, scheitere an einer polizeisperre trotz jackett, hemd und akkreditierung, dafür mault mich ein demonstrant an. auch mal ne erfahrung. über umweg doch zur grenze, das ibis-hotel brennt, umstellt von polizei, umstellt von autonomen, alle super nervös, klar. die demo versucht abzuziehen, scheitert aber an polizeisperren, geht mehr oder weniger im kreis und sitzt dann in einem industriegebiet nahe der grenze in der falle. hinten polizei mit schlagstöcken und tränengas, vorne auch eine sperre, direkt dahinter das noch schwelende hotel, wo natürlich die demo nicht so ohne weiteres vorbeigeführt werden kann.

weil von hinten die polizei drückt, gehen die leute nach vorne, eine sprecherin sagt auch an: „in fünf minuten geht es vorne weiter, dann sind die löscharbeiten vorbei“, aber das stimmt nicht, alles dauert. die leute kommen trotzdem, drücken gegen die sperre, laufen auf einen bahndamm hoch, drohen so die sperre zu umgehen – und die polizei marschiert auf, schießt tränengas, die leute antworten mit einem steinhagel (schön doof auch, genau an einem bahndamm eine straßensperre zu machen), noch mehr tränengas und schockgranaten. der bahndamm wird geräumt, die demo sitzt wieder auf der straße im industriegebiet, und dann schießt die polizei von beiden seiten tränengas in die demonstration, mitten rein, die leute klettern über zäune und mauern, auf die grundstücke des industriegebiets, weil sie einfach dem tränengas entkommen wollen. andere rennen über den bahndamm richtung deutschland, noch andere richtung straßburg, völliges chaos droht. – und dann beruhigt es sich, weil sich die polizei zurückzieht.

insgesamt: ein desaster. demo weit von der stadt, randale ohne ende, tränengas en masse, und wenn ich schon trotz einfachem linienwechsel dank akkreditierung jede menge davon einatme, wie siehts dann erst bei leuten aus, die nicht durch die polizeisperren kommen. was für ein scheiss, denke ich mehrere male. und dann der rückweg: dank rheinkanälen und bahnstrecke lässt sich der weg zurück nach straßburg leicht abriegeln, die demonstrant_innen müssen einen kilometerlangen umweg nach süden in kauf nehmen – südlicher als das protestcamp, und das lag schon deutlich vor der stadt. ermüdungstaktik der polizei. – ich hätte es an ihrer stelle vielleicht ähnlich gemacht. aber die demonstration wurde so faktisch verhindert – und damit die nato-kritische, friedliche meinungsäußerung. was bleibt, sind bilder von straßenschlachten und brennenden gebäuden. was für ein scheiss.

andere berichte u.a. hier