el snyder & charly mcwhite

gestern dahin gegangen, wo es (mir) wehtut: das quasimodo. jazz finde ich ganz langweilig, kann das fünf minuten genießen, muss danach aber wegrennen oder einschlafen. es soll ja so die freude an unkonventioneller musik sein, aber es hat eher etwas von alte leute stellen sich vorne hin, quälen einen mit langen soli (=selbstfeierungen) und improvisierten banalitäten, die eher an bandprobe als konzert erinnern. so ähnlich war es auch gestern. nur dass helge schneider dabei war. ich bin mir nicht sicher, ob es ein allgemeinplatz ist, dass der als (ernsthafter) jazzer angefangen hat und dann merkte, dass seine zwischenmoderationen viel besser ankommen als die jazzstücke selber und so das eine nach und nach das andere ersetzte. so geht jedenfalls die legende, und ich muss sagen: extrem plausibel. so war es gestern auch. helge jazzt, mit ihm ein benickelbrillter alter bassist, der bei seinen solo-einlagen seine töne mitsingt, und ein ebenfalls älterer schlagzeuger, der aus senioritätsgründen nur ganz langsam auf die bühne geht, hinter ihm sein jüngster sohn oder enkel oder zivi, um ihm zu assistieren – der dann aber am schlagzeug sichtlich aufblüht. immerhin ein paar herzenspunkte. darüber hinaus jedoch hätte man für mich bass und schlagzeug komplett streichen können. das hat alles jazz-patina oder diesen schleimigen überzug, den kochbücher kriegen, wenn sie zu lange in der küche rumstehen (aus küchendämpfen und staub), an dem noch mehr staub kleben bleibt. helge schneider dagegen und das klavier, helge schneider und das mikrophon, helge schneider und das publikum, egal was – das funktioniert einfach. anfangs sparsame ansagen, schließlich soll der jazz im vordergrund stehen, die vom publikum um so dankbarer angenommen werden, und später immer mehr, und wirklich schön ist das ganze, als ein kleines kind auf der bühne herumläuft und von helge ans klavier gehalten wird, etwas klimpert, und helge schneider es nachspielt, dann aber mit den hinweisen „kinderarbeit ist verboten“ und „es gibt auch sowas wie eifersucht!“ das kind hinter die bühne gibt. „eigentlich sollte sie tennis-star werden.“ und dann halt die helge-klavier-improvisationen, can-can auf klavierperlig, gehackte shanties – und mit „schöner gigolo, armer gigolo, denke nicht mehr an die zeiten“ spielt helge sich und seinen jazz-kumpanen einen abgesang. wunderschön. dann.


1 Antwort auf „el snyder & charly mcwhite“


  1. 1 tante_trude 02. Februar 2009 um 10:49 Uhr

    „benickelbrillter“ ist ein heisser Kandidat für das Wort des Jahres.
    Bin gespannt ob deine Ansagen am Sonntag mit denen von Helge Schneider mithalten können…

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