Nora Gomringer über Inspiration

hier quasi als teaser aus einem interview mit nora gomringer und ihrem vater eugen gomringer, das ich gerade abtippe. nora spricht über künstlerische inspiration:

„Eigentlich muss man sich als Dichter ja gegen Inspiration wehren. Alles, was sich einem sofort aufdrängt, das ist vernachlässigbar. Wenn etwas dir sofort eingeht, weil es für alle da steht, könnte auch von allen bearbeitet werden. Wenn mein Vater sagt, er braucht manchmal zehn Jahre für ein Gedicht, dann ist das lange gereift. Ich bin dankbar, wenn etwas so lange ruhen darf. Ich bin oft gezwungen, schnell zu produzieren, da klaubt man Themen zusammen, man bemüht sich. Aber die Inspiration darf nicht so durchscheinen! Ich bin nicht interessiert an Literatur, wo mir die Inspiration ins Gesicht springt. Das finde ich ganz unangenehm! Wenn mir ein Gedanke kommt, schreibe ich ihn auf, und dann lasse ich es auch lange liegen, und schon beim zweiten Nachgucken ist es nicht mehr diese Intuitiv-Reaktion. Dann kann ich vielleicht etwas damit arbeiten. Aber: Es hüte sich jemand, in dem Moment, in dem er etwas empfindet, dann etwas Künstlerisches daraus zu machen. Das ist zu eins zu eins! Das können sich Musiker leisten! Aber Autoren nicht.“