Archiv für August 2008

popaganda stockholm

thomas hat gefilmt, ich war irgendwo unten im publikum. popaganda-festival in stockholm, ich hatte es gar nicht so gross erwartet, ein echtes festival auf dem gelænde eines freibads. gestern spielten u.a. hercules and love affair, heute die hidden cameras und als abschluss bob hund. super catering, zum duschen koennen wir einfach ins schwimmbad mit sauna oder nebenan ins hotel. stockholm ist schoen. dank nightliner ist sogar auch ewas zeit um noch in der stadt herumzulaufen.
show am abend ist sehr gut, die schweden lieben die hidden cameras. hinterher essen, irgendjemand faengt eine daemliche essensschlacht mit der band nebenan an, fliegende bananen muss man echt nicht haben. spaeter versuchen schwedische freunde von maggie uns das phaenomen bob hund zu erklaeren. eine schwedische band, die wie eine zwanzig jahre alte schuelerband wirkt, mit einem langhaar-metal-gitarristen, einem rockabilly-basser und einem glamour-saenger, der ueberall raufklettert und wieder runterspringt, ein nettes logo mit grossem hundekopf. keine besonders tolle musik, kein besonders guter gesang – aber die leute feiern, als ob die beatles gerade reunion machen wuerden. naja, die gebe es halt schon so lange, sagt patrick, und kalle fuegt hinzu, die haetten halt den weg geebnet fuer alle anderen indie-bands mit schwedischen texten, und sie seien eben nun mal grandios. ok.
nach feierei im hotel und dem erfolglosen versuch, in die hotel-sauna einzubrechen, boarden wir unseren bus und fahren richtung oslo.

Hamburg, Kampnagel

Im Kampnagel findet das Sommerfestival statt, in dessen Rahmen die Hidden Cameras auftreten. Ich komme mit großem Rucksack an und frage nach dem Weg, eine freundliche Mitarbeiterin führt mich über das Gelände zum Restaurant, wo die Band sitzt. Sehr nett, sie hätte auch sagen können: „Immer geradeaus“. Fröhliches Wiedersehen, das Essen ist super, später erklärt mir Thomas den Merchandise. Clou sind etwa handtellergroße handgenähte Totenköpfe. Ob sie jetzt Kunst oder Stressabweiser sind, ist unklar. Später dann Konzert. Das Publikum ist gemischt: Ein paar junge Hipster, viele schwule Pärchen, einige Ältere, die ich nicht hier vermutet hätte… vermutlich Kulturinteressierte, die mit Festivalpass überall mal reinschauen. Die Hidden Cameras spielen ähnlich wie im Mai eingangs zwei neue Songs, die eher düster sind. Man merkt dem Publikum die Irritation an. Aber dann wird’s folkig und flockig wie erwartet… die Band natürlich ohne Chor und in etwas abgespeckter Version, einige Instrumente sind nicht dabei: Laura als zweites Keyboard fehlt, auch Geiger Lief und Trompeter Sean. Jens ersetzt Paul am Bass, Markus spielt für John Power Schlagzeug – also schon eine ganz andere Konstellation als im Mai. Man merkts, aber das war ja klar, von wegen Eingespieltheit und instrumentaler Breite. Und natürlich gehen mit weniger Leuten und ohne Chor nicht mehr so viele Showelemente. Kein Bandmeucheln, es ist weniger Performance und mehr Musik, ich glaube, Joel will es auch so. Ich mag mehr Performance.
Nach der Show Merch läuft gut. Dann die erste Nacht im Sleeper. 12 Betten, immer drei übereinander, und vorne und hinten im Bus sind Sitzplätze. Es ist schon recht eng, aber ich schlafe erstaunlich gut, mit kurzen Unterbrechungen, wenn wir auf die oder von der Fähre fahren. Nun in Richtung Stockholm.

Innenansicht Tourbus
Innenansicht Tourbus mit Markus.

Freitag Abend, kurz vor Hamburg

Prolog: Wie blöd kann man sein/wie weit reicht die Liebe zur Musik?

Die Hidden Cameras sind wieder auf Tour, dieses anarcho-queere Bandprojekt aus Toronto. Ich war im Mai als Chorknabe/Tänzer dabei, und es war eine große Sause. Nun ist kein Chor eingeplant, aber im Sleeper ist ein Bett frei, Joel sagte, ich könne als „Friend of the band“ mitfahren, also bin ich wohl Merchandise-Verkäufer, Mädchen für alles oder Pausenclown – mal sehen. Ganz olympisch, dabeisein ist alles, denke ich, aber was mache ich da eigentlich? Fünf Städte in fünf Tagen (Hamburg, Stockholm, Bergen, Oslo, Malmö), Übernachten im Tourbus, viel Zeit auf der Straße, zwölf schwitzende und stinkende Menschen auf engstem Raum, die meisten davon als echte Musiker_innen laut und egozentrisch, alle eigentlich sowieso über das Punkrockalter hinaus – ist da nicht olfaktorischer und Sozialstress vorprogrammiert? Wie blöd kann man eigentlich sein, da auch noch freiwillig mitzumachen? Reicht die Liebe zur Musik wirklich so weit? Warum nicht so machen wie Kollege und Bahn-nach-Hamburg-Mitfahrer Kotowski, der sich in Korfu die Sonne auf die Plautze scheinen lassen wird?
We’ll see. Erstmal eh den Kampnagel in Hamburg erreichen. Der ist so in der Mitte von drei U-Bahnhöfen, von allen drei gleich schlecht zu erlaufen. Naja. Where there’s a way, there’s a Wilbury: Rin ins Verjnüjen!

if god…

„if god made me choose between good and evil, heaven and hell, moon and sun, coffee and tea, fork and spoon, oasis and blur, male and female, queen and king, man and animal and plant and thing – i would always opt for chocolate.“

(strawberry williams: 10 ways to spend your life in dignity, page 57)

reverse graffiti

linkablage: jetzt.de über reverse graffiti. genial.

missent to denmark

u-bahn fahren, wieder. nur der ton ist gehtsogehtso…

female trouble

vor ein paar jahren erklärte mir ricardo domeneck, wie man poesie zu verstehen hat: nämlich gar nicht. „entweder ein gedicht sagt dir etwas, löst etwas bei dir aus – oder nicht.“ eine schlichte wahrheit, die sich wohl auch auf kunst übertragen lässt. insofern bin ich ganz froh, wenn z.b. bei ausstellungen nicht alles voll erklärt wird, wenn mir nicht das denken abgenommen wird. wie es aber auch nicht gut ist, zeigte female trouble in der pinakothek der moderne. die ausstellung war mit einigem getöse angekündigt, fotografische weiblichkeitsdarstellungen der letzten anderthalb jahrhunderte, der titel angelehnt an judith butlers „gender trouble“, konstruktion und dekonstruktion von weiblichkeit… doch die ausstellung an sich eher eine laue nummer. die museumsangestellten schickten mich zielsicher ans ende der ausstellung, so dass ich den einleitungstext erst am schluss fand. ansonsten fotos von frauen bzw. frauenimitationen, schon ganz schick, auf pastellfarbenen wänden – aber eben keine texte, keine erklärungen, keine biographischen anmerkungen, nichts zu umständen, historischem, kulturellem oder gesellschaftlichem kontext. schade. verschenkte möglichkeiten.