Archiv für Juli 2008

bavaria felix

gerade gesehen: ein polizeiauto hält mit blaulicht zwei halbwüchsige an, weil sie ohne licht fahrrad fahren. oh du glückliches land, in dem die polizei nichts besseres zu tun hat.

medienschau: „taubstumme“

eine meldung von der sz auf der panorama-seite: in der berliner u-bahn seien zwei „taubstumme“ opfer eines angriffs geworden, zwei unbekannte hätten die beiden festgehalten und geschlagen. die beiden „behinderten opfer“ seien ambulant im krankenhaus behandelt worden, die täter flüchtig. die meldung kam ursprünglich von der dpa.
also: erst werden zwei gehörlose (oder hörgeschädigte) verprügelt, und dann klassifiziert die presse sie mittels „taubstumm“ und „behindert“ als weniger zurechnungsfähig, verblödet, seltsam. gehts noch? gebärdensprache ist sogar offiziell als sprache anerkannt, und behindert sind gehörlose nicht, sie werden behindert. von der gesellschaft. und solchen meldungen.

der tagesspiegel hat übrigens seine online-berichterstattung entsprechend korrigiert.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Kriminalitaet-Lichtenberg;art126,2580011

flaschensurfing nada spaß

altstadtfest, ein riesenspektakel, 850.000 jahre münchen. der innenstadtring ist gesperrt, fressbuden und bühnen aufgebaut, bands spielen en masse. als ich loskomme, regnet es, eigentlich ein schöner sommergewitterabend. kein fahrrad-durchkommen mehr am lenbachplatz, auf dem maximiliansplatz dann mr. fusel-mitbewohner und seine gang treffen, bereitwillig schenkt er rotwein aus („fusel? den gibts bei mir!“), warten auf medienkommando telegruppe, die dann kommen. aus der ferne betrachtet sieht einer aus wie upstart von der roten sonne, der andere wie die fleischgewordene hamburger schule, mit matrosenartig blauweißgestreiftem shirt und einer komischen jacke drüber. wirbelt die gitarre, als wäre sie aus balsaholz, show! und nach ein paar songs beide in glitzernden ganzkörperanzügen (diskokugel-outfit), that’s pop! das publikum feiert, ich werd mir mal die cds ausleihen.
dann zum sendlinger tor, nada surf waren mir seit tagen bereits empfohlen als band mit einer der besten pop-platten aller zeiten, die ich schändlicherweise nicht habe. doch vor ort ists vor allem ungemütlich: bierseelige menschenmassen, auf dem boden gebräu aus scherben, bier und regen, rumgeschubse, süddeutsche dialekte, idioten werfen mein fahrrad um und surfen auf flaschenhaufen – irgendwie macht das keinen spaß, ich mache mich davon, die platte leih ich mir auch lieber aus.

medienschau: taz

ein ganz tiefer griff ins klo ist diesmal der taz gelungen: http://www.taz.de/1/leben/koepfe/artikel/1/mutter-oder-vater/ – darin meint der autor arno frank dem transmann thomas beatie, der dieser tage ein kind bekommt, vorschreiben zu müssen, dass er kein mann ist – sondern eine „schrecklich verstümmelte frau“. schubladendenken, ius sanguine: du bleibst bis zum ende, was du mal warst. „gebärmutter bleibt gebärmutter“ schreibt der autor – ja. die gebärmutter bleibt, der mensch ändert sich. manchmal ändert er sein geschlecht oder seine geschlechtliche identität.
und die hochachtung, die ich vor der taz hatte, nachdem ich vor ein paar wochen die chefredakteurin bascha mika erleben durfte, hat sich auch ganz schnell geändert.