Archiv für März 2008

feuer

hasenfest

frohes.

tanja dückers, you rock.

tanja dückers ist einer der wenigen menschen, zu denen ich unbekanntermaßen verehrend aufschaue. z.b. wegen dem wort „knoppaganda“, das sie zutreffenderweise in ihrem artikel „alles nur opfer“ über den gustloff-film auf zeit online verwendet (via gtier, via ostblog) . irgendwann war in der print-zeit auch ein artikel über eine diskussion von schreibenden vertriebenen-nachfahren, in dem versucht wurde, sie lächerlich zu machen – aber sie brillierte. also, tanja, you rock.

inzest-urteil – was für ein müll

ich habe eigentlich gerade keine zeit zu schreiben, aber mich regt dieses urteil über inzest echt auf. denn ich verstehe nicht, dass das gericht zwei erwachsenen menschen verbieten kann, sich zu lieben. ja, es ist ein gesellschaftliches tabu, aber die gründe dafür sind antiquiert: dass oft kinder mit sog. „missbildungen“ herauskommen? das ist medizinisch strittig, aber selbst wenn es stimmt: wenn man konsequent wäre, müsste man alkoholikerinnen und frauen über 40 auch das kinderkriegen verbieten, und aidskranken auch. oder nicht? verdammt starker euthanasie-beigeschmack, würde ich mal sagen, wenn gesetze behinderte kinder verbieten wollen.
das andere argument gegen inzest in diesem fall: der ältere bruder übe sozialen druck aus auf die jüngere schwester. ja, aber: seit der ältere bruder im gefängnis ist, bekommt die jüngere schwester nicht mehr kinder von ihm, sondern von einem anderen „älteren mann“ (frankfurter rundschau). ob es nun der bruder ist oder nicht, ist das nicht egal? der kern des problems ist jedenfalls nicht getroffen, wenn das strafgesetzbuch den vater von vier kindern aufgrund von verwandtschaftsverhältnissen für ein paar jahre ins gefängnis schickt.

nerd that shit

letztens äußerte mein freund till die vermutung, dass die leute, die ständig auf konzerte und partys rennen, sich cool fühlen, dann aber in einem jahr oder so die leute als cool gelten, die gleichzeitig zuhause sitzen und vorm rechner irgendwelchen datenquatsch zusammenfrickeln. das war in einigen nächten der letzte woche eine beruhigende aussicht, seht selbst: undertube münchen. viel spaß.

„diese handbewegung ist vielleicht etwas unglücklich gewählt…“

ich wurde quasi aufgefordert, über diese show zu schreiben, aber ich machs dann halt auch so. vorgestern abend in der „bar“ im schrecklichen kunstpark ost, wo lauter anstrengende clubs und bars sind mit einem noch anstrengenderen publikum. die „bar“ soll noch so der netteste ort sein, wobei das nicht gerade schwer ist, aber ist tatsächlich ganz nett, über der theke ein riesenspiegel, so dass man sich betrunken an der theke festklammern könnte und gleichzeitig noch sehen, was hinter einem passiert. so weit kams nicht, und darum gehts auch gar nicht, sondern um den show-act. anlass war peters runder geburtstag, geladen wurde mit schicker bärenfell-kitschkarte, stargast die eingeflogene damenimitatorin gina aus barcelona. die machte schon recht früh um halb elf ihre ersten beiden songs, klassisch schön geschminkt und in kariertem fischkleid, ansonsten aber auch recht klassische travestie: lipsyncing zu kaum spanischem sprechgesang mit aktuellen disco-beats drunter. okay in dem genre. dann lange pause, weil nicht genug alkohol im pulikum unterwegs sei, stimmte auch, dann später der dritte song: ein lied über hass. „odio“ auf spanisch, oder so, was sie auch mitsang, mit mikro. dabei immer den rechten arm zum.. sagen wir: römischen gruß erhoben. ja klar, hass auf faschisten und ihren gruß, aber… „come on! raise your arm!“, forderte gina das publikum auf, und niemand reagierte. höflich wurde gewippt, etwas unbehaglich am drink genippt, manche hände im takt hochgeworfen, aber kein starrer rechts-arm-gruß. „diese handbewegung ist vielleicht etwas unglücklich gewählt“, raunte mir geburtstagskind peter zu. kann man so ausdrücken.

später fragte ich gina, was der song sollte, und sie sagte, er sollte ausdrücken, was sie alles hasst, die menschen allgemein und sowieso sei sie eine diva. und sie sei kommunistin, oder wenigstens republikanerin. okay. lieder singen über das, was man nicht mag, okay. aber dazu den hitlergruß performen? nö. hoffentlich hat ihr jemand hinterher erklärt, warum niemand vom publikum mitgemacht hat.

„and look out the window at the noiseless snow“

fight exotism

Medienschau: Griffe tief ins Klo

Brechreiz bei Headlines der letzten Tage:

„Clinton unterstellt Obama Israel-Feindlichkeit
Obama ein Feind Israels, der sich von Antisemiten wählen lässt – mit schwerem Geschütz legt Hillary Clinton vor den entscheidenden Vorwahlen in Ohio und Texas auf ihren Rivalen an. Sie will die jüdische Wählerschaft gewinnen.“
(spiegel.de, 28.2.)

„Israel warnt die Hamas vor einer ‚Shoah‘
Ein israelischer Vize-Minister warnt die radikal-islamische Hamas vor einer „Shoah“. Damit legt er einen Vergleich zwischen einer möglichen israelischen Militäraktion im Gazastreifen und dem Mord an Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs nahe.“
(welt.de, 29.2.)

(zu letzterem muss ergänzt werden, dass das hebräische Wort „shoah“ mit bestimmtem Artikel als „Holocaust“ übersetzt wird, aber hier vom stellvertretenden Verteidigungsminister Matan Vilnai mit unbestimmtem Artikel verwendet wurde und daher als „Katastrophe“ oder „Untergang“ zu übersetzen ist.)

surprisingly, i understand kurt beck but not the rest

Ich hätte es echt nicht gedacht, dass ich mal Kurt Beck verteidigen würde, einen Politiker, den ich bisher vor allem anstrengend und provinziell fand (von Dialekt und Politikstil her), und über den ich in der Titanic-Verarsche „Problembär außer Rand und Band – Knallt die Bestie ab!“ herzlich gehässig lachen konnte. Nun aber, vor allem nach der Lektüre der ZEIT vom vergangenen Mittwoch, sehe ich mich zu einem Plädoyer zu seinen Gunsten genötigt. Here goes: Warum eigentlich sind Gespräche mit der Linkspartei im Westen so ein Tabu? Weil Linkspartei = PDS = SED? Weil da undemokratische Kräfte am Werk sind? Weil Linkspartei-Abgeordneten keine Ahnung von alltäglicher Politik haben? – Am meisten davon zieht tatsächlich das SED-Argument, wobei, Moment, auch im Westen? eher nicht. Und die anderen Gründe werden sich in täglicher Politikarbeit auflösen. Keine Ahnung von Politik hatten auch andere Kleinstparteien wie gerade in Hamburg die Schill- und die Stattpartei, die nach ihrer Regierungstätigkeit wieder aus den Parlamenten gekegelt wurden. Und undemokratisch? Wenn die Linkspartei menschenverachtend oder verfassungsfeindlich wäre, das wäre ein Grund, mit ihr nicht zu reden. Aber andere politische Positionen sind es nicht. Letztendlich treten die Parteien mit bestimmten Inhalten zur Wahl an und sollten danach versuchen, so viele ihrer Inhalte wie möglich umzusetzen. Zum Beispiel in Koalitionen mit anderen Parteien.

Was nochmal zum ZEIT-Leitartikel zurückführt, denn genau das kritisiert der Autor dort: dass die Leute nicht SPD gewählt hätten, um dann eine Koalition mit der Linken zu bekommen. So what? That’s democracy, darling. Peinlich, dass die Zeit vor dem Hintergrund der Hamburger Naumann-Kandidatur zu einer Wahlzeitung des Seeheimer Kreises geworden ist und undifferenziert auf Beck und Linkspartei einprügelt – da gäbe es auch für so ein liberales Blatt noch genung andere, konkretere Gründe. Journalistische Qualität hätte verlangt, das Thema Einbindung der Linken unabhängiger zu betrachten, also zumindest einer Gegenposition Platz einzuräumen. Schade.